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Via Sacra - Wiener Wallfahrerweg

Auf traditionellen Pilgerpfaden von Wien nach Mariazell

160 Seiten, 1:35000
Länge: 252 km
Stadtpläne, Übernachtungsverzeichnis, Höhenprofil, Spiralbindung
978-3-85000-591-3
Preis: € 14,90
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1. Aufl. 2010

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Höhenprofil

Via Sacra

Der Legende zufolge sendete im Jahre 1157 das Kloster Lambrecht den Mönch Magnus aus, die Seelsorge in der Mariazeller Umgebung zu übernehmen. Mit Erlaubnis des Abtes durfte er seine selbst angefertigte Marienstatue auf den langen Marsch mitnehmen. An einem Abend seiner Wanderung versperrte dem Mönch plötzlich ein Felsen seinen Weg. Nach einem Gebet an die Muttergottes spaltete sich der Felsen und gab einen Weg frei. Am Ziele angelangt, stellte er die Statue auf einen Baumstumpf, und begann sich seine Zelle zu bauen, die ihm als Kapelle und Wohngemach diente. Der Baumstumpf, auf dem die Marienstatue stand, ist noch heute in der Basilika in Mariazell aufbewahrt. Eine romanische Kapelle als Dank seiner Heilung ließ Markgraf Heinrich von Mähren im Jahre 1200 errichten, dem wegen seiner Gichterkrankung geraten wurde, nach Mariazell zu pilgern. Mit diesem Prominenten als Vorbild begann langsam das Pilgern nach Mariazell einzusetzen, das einherging mit den unterschiedlichsten Erzählungen von Wundertaten und Genesungen.
Einen großen Einfluss auf die Beliebtheit von Mariazell als Ort der Wallfahrt hatte die Spende des Königs Ludwig I von Ungarn, der als Dank einer siegreichen Schlacht ein wertvolles Madonnenbild stiftete und so den Ansturm von ungarischen Pilgern förderte. Zusätzlich dürfte dieses Ereignis auch Auslöser für den Bau der gotischen Kirche gewesen zu sein. 1399 gewährte Papst Bonifax IX. einen vollkommenen Ablass in der Woche nach der Oktav von Mariae Himmelfahrt und ließ damit für viele Jahrzehnte den Pilgerstrom anwachsen.
Einer der Begründer für das organisierte Wallfahrtswesen war der Dompropst von St. Stephan in Wien, der 1587 die Wallfahrt nach Mariazell als Maßnahme zur Gegenreformation unternahm. 1599 sollen bereits mehr als 23.000 Personen unter seiner Leitung (nunmehr als Bischof) nach Mariazell gezogen sein. Im Laufe der Zeit wurde das Wallfahrtswesen stärker durchorganisiert, die Halte zum Gebet in den einzelnen Kirchen wurden termingenau festgelegt und immer von einem Priester oder Vorbeter begleitet. Für die übliche Wallfahrt von Wien nach Mariazell waren drei Reisetage vorgesehen, erster Tag bis Kaumberg, zweiter bis Annaberg und am dritten bis Mariazell.
Den Namen „Via Sacra“ hat der Soziologe und Vizebürgermeister von Wien, Ernst Karl Renner, aufgebracht, der 1923 die alte Pilgerstraße von Wien nach Mariazell bewanderte und in höchstem Maße darüber schwärmte und es als Symbol der Rückkehr zur Natur, dem bescheidenen Leben und dem Protest gegen die Technik bezeichnete. Der Titel des Buches „die heilige Straße“, im lateinischen via Sacra, prägte dann die Benennung dieser Strecke von Wien nach Mariazell.
Aufgrund des Ausbaus und der Asphaltierung der Straßen, der mit der zunehmenden Motorisierung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts einherging, war der damaligen Pilgerweg zum Wandern und Pilgern kaum mehr benutzbar und geriet in Vergessenheit. 1975 wurde vom Alpenverein im Zuge der Schaffung eines Weitwanderwegenetzes eine Art alpine Variante des Wallfahrerweges geschaffen, die als Markierung 06 weitgehend verkehrsfrei über die Wiener Alpen verläuft.
Im Zuge des in letzter Zeit immer stärker populär gewordenen Pilgerwesens hat das Regionalmanagement Niederösterreich eine Strecke entwickelt, die zwar entlang der traditionellen Pilgerorte verläuft, aber sonst so weit wie möglich die Bundesstraße meidet. Gemeinsam mit dem Weitwanderweg 06, der nun als Wiener Wallfahrerweg bezeichnet wird, entstand so ein einheitlich markiertes Wegenetz, das den Wanderer in 120 bis 130 Kilometern von Wien nach Mariazell führt. Allen Wegvarianten ist gleich, dass sie durch ein kulturell besonders reiches Land führen, und Spuren des Wallfahrtswesens vergangener Jahrhunderte überall existent sind.

Die historische Pilgerstrecke

Der Pilger anno dazumal begann den Weg nach Mariazell außerhalb der Wiener Stadtmauer, bei der Kirche zu den heiligen Schutzengeln, auch Paulanerkirche genannt. Über Matzleinsdorf ging es hinauf auf den Wienerberg, an der Säule Spinnerin am Kreuz vorbei und wieder hinab in die weite Ebene, die bis zur Wallfahrtskirche nach Maria Enzersdorf am Gebirge führte. An der Burg Liechtenstein vorbeiwandernd kamen die Pilger zum Urlauberkreuz, bei dem sie sich häufig von noch mitgegangenen Verwandten oder Freunden verabschiedeten. Die Bezeichnung Urlauberkreuz steht für jene Wegkreuze, bei denen sich die Menschen beurlaubten, vom Alltag Abschied nahmen, wie dies bei Wallfahrten auch der Fall ist.
Da heute, im 21. Jahrhundert, die Strecke von der nur noch in Bruchstücken existierenden Wiener Stadtmauer bis nach Maria Enzersdorf eine der am stärksten befahrenen Bundesstraßen Österreichs geworden ist, sei dem heutigen Pilger dieser Beginn nicht angeraten. Der offiziell markierte Wegverlauf der Via Sacra führt vom Urlauberkreuz weg. Es ist jedoch auch möglich, mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Maria Enzersdorf zu fahren und von dort auf einer beschriebenen, aber nicht markierten Strecke über die Wallfahrtskirche und an der Burg Liechtenstein vorbei bereits hier den Spuren der historischen Wallfahrer zu folgen.

Streckencharakteristik

Länge, Höhenmeter und Etappen

Es gibt zwei markierte Hauptrouten, die von Wien nach Mariazell führen. Während die Via Sacra vorwiegend in Tälern entlang der traditionellen Routen verläuft, wandern Sie am Wiener Wallfahrerweg mitten durch den Wienerwald und die Wiener Alpen. Es gibt mehrere Verzweigungen, bei denen ein Wechsel von der einen Wegvariante zur anderen möglich ist. Einerseits ist es daher unbedingt notwendig, dass Sie sich bereits im Vorhinein Ihre Wegstrecke grob überlegen, andererseits ist es damit möglich, sich die Strecke nach den eigenen Interessen und Wegbeschaffenheiten einzuteilen. Beide Strecken weisen eine Länge von 110-130?Kilo­metern auf, zumindest 4.000 Höhenmeter müssen auf der Gesamtstrecke bewältigt werden. Da weite Strecken der Via Sacra entlang asphaltierter Radwege geführt werden, verläuft etwa ein Drittel der gesamten Wegstrecke auf Hartbelag. Wem das nicht stört, winkt zur Belohnung der Besuch vieler kultureller Kleinode. Grundsätzlich empfehlen wir, unbedingt eine zusätzliche Nacht in oder kurz vor Mariazell einzuplanen, so dass Ihnen genug Zeit bleibt, Ihre Ankunft in Mariazell zu genießen und auch mit der Seele anzukommen. Während unserer Erkundung der Strecke haben wir zu viele Pilger kennen gelernt, die bereits während der Wanderung der letzten Etappe bereuen, die Rückfahrt von Mariazell am späten Nachmittag schon gebucht zu haben, dass so neben der Wanderhektik kaum oder gar keine Zeit für eine Pause oder besinnliche Stunde in der Basilika bleibt. Wer sich die Zeit für 5 Wandertage gönnt, sollte sich unbedingt auch die Zeit für einen Belohnungstag nehmen.

Wegweisung, Anforderungen

Der gesamte Weg ist in der Richtung von Wien nach Mariazell mit gelben Wegweisern versehen, die das Via Sacra-Bildlogo tragen. Zusätzlich ist ein Schriftzug angebracht, der entweder mit Via Sacra oder Wiener Wallfahrerweg beschriftet ist. Achten Sie bitte auf die unterschiedliche Markierung der Via Sacra-Rundwanderwege, die ebenso das Logo aufweisen, aber zusätzlich mit Rundwanderweg beschriftet sind. Diese Wege sind kurze Rundtouren, führen aber zumeist nicht Richtung Mariazell!
Die Wege auf der Via Sacra und dem Wiener Wallfahrerweg sind meist gut zu begehen und nie ausgesetzt, einzelne Abschnitte können aber etwas verwachsen sein. Kürzere Steilstücke kommen im Auf- und Abstieg immer wieder vor. Bei Nässe können einzelne Passagen etwas schwieriger werden, darauf wird im Text aber gesondert verwiesen. Auf beiden Wegen gibt es Teilstücke und Varianten, die auf Asphalt verlaufen, vor allem entlang von autofreien Radwegen. Diese eignen sich bei Nässe besser zum Gehen, sind aber anstrengender.

Tourenplanung - Infostellen

Via Sacra Beratung & Buchung, Adalbert-Stifter-Straße 4, 3250 Wieselburg,  07416/52191, Fax 07416/53087, www.viasacra.at

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