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Korsika

50 Inseltouren zwischen Hochgebirge und Mittelmeerküste

214 Seiten, 1:35000
Länge: 485 km
Stadtpläne, Höhenprofil, Spiralbindung
978-3-85000-562-3
Preis: € 14,90

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Korsika

Die mit etwas mehr als 300.000?Einwohnern und 8.722?Quadratkilometer Fläche relativ gering besiedelte Insel Korsika wird jährlich von mehr als 2?Millionen Touristen besucht, davon kommen die Hälfte allein im Juli und August. Der Fremdenverkehr ist die Haupteinnahmequelle der Korsen, und gleich vielen anderen ländlichen Regionen in Frankreich ist die Insel stark vom „ländlichen Exodus“ betroffen, der die jungen Korsen weg vom harten Landleben in die Städte treibt. Die Korsen haben eine starke ethnische Identität und sogar eine eigene Sprache, welche auch heute noch in den Dörfern im Landesinneren gesprochen wird und auch während der vielen Jahre der „Fremdherrschaft“ nicht verschwunden ist. Vom 12. bis ins 17.?Jahrhundert herrschte die Seerepublik Genua, mit verschiedenen Unterbrechungen durch korsische Rebellionen, z.?B. die Sampiero Corso und andere Seemächte, wie Frankreich oder osmanische Piraten. Sie errichteten die Genuesertürme rund um die korsische Küste und die Gewölbebrücken im Landesinneren, die Sie im Rahmen verschiedener Wanderungen erkunden können. Im Jahr 1768 trat Genua die Insel im Vertrag von Versailles an die Franzosen ab, die sich kurz darauf im Krieg gegen eine korsische Armee unter dem Widerstandskämpfer Pasquale Paoli behaupteten. Ab 1790 war Korsika ein normales französisches Departement, heute bildet es die Departments 2A und 2B. Die rebellische Ader der Korsen bekommen heute besonders Polizei und andere staatliche Organe zu spüren, deren Gebäude regelmäßig Ziele von Anschlägen sind. Seien Sie jedoch beruhigt: Die Separatisten können eins und eins zusammenzählen und haben es nicht auf den Wirtschaftsfaktor Tourismus abgesehen. Neben dem Wandervergnügen sollten Sie auf Korsika die berühmten kulinarischen Spezialitäten nicht zu kurz kommen lassen: korsischer Ziegen- und Schafskäse sowie die zahlreichen Metzgereiwaren, welche die halbwilden Schweine liefern, sind eine wirkliche Offenbarung.

Flora

Korsika ist in allen Vegetationsstufen eine sehr grüne Insel, Ausnahmen bilden die nur in geringem Maße vorkommenden hochmontanen und alpinen Vegationsstufen. Eine sehr verbreitete Vegetationsform ist dabei die Macchie, eine Mischung aus verschiedenen Sträuchern und niedrigen Bäumen, die besonders in der mediterranen Vegetationsstufe von 0 bis 700?m auftritt. Häufige Vertreter der Macchie sind der westliche Erdbeerbaum mit seinen roten Kugelfrüchten im Herbst sowie verschiedene Wachholderarten, Zistrosen und Myrte. Die Macchie ist aus der Übernutzung von Wäldern, wie den Steineichenwäldern, entstanden. Diese und auch Korkeichenwälder machen noch heute den Hauptteil der intakten Wälder in dieser Vegetationsstufe aus. Interessante importierte Pflanzen sind der Olivenbaum, verschiedene Weinrebsorten, die Kaktusfeige, die Agave und der Eukalyptusbaum. In der submediterranen Stufe von 700 – 1.100?m herrscht die ebenfalls importierte Edelkastanie vor. Vor allem in der nach ihr benannten Region Castagniccia kommt der Baum sehr häufig vor. Die Korsen ernährten sich in der Vergangenheit in großem Maße von Kastanien (Kastanienmehl, diverse Gerichte mit Kastanien, etc.) und blieben auf diese Weise von mancher Hungersnot verschont, die den europäischen Kontinent traf. In der mediterran-montanen Stufe von 1.100–1.800?m dominiert die Laricio-Kiefer oder korsische Schwarzkiefer mit ihrer grau silbernen Rinde. Ihre geraden und mit bis zu 40?Metern sehr hohen Stämme und ihr gefragtes Holz sind der Stolz der Korsen. Die schönsten Wälder sind die von Vizzavona (N?193 zwischen Ajaccio und Bastia) und die des Valdo Niello und Aïtone (zwischen Calacuccia und Porto). Außerdem gibt es kleinere Buchenwälder, wie z.?B. auf dem Plateau de Coscione neben dem Monte Incudine und in der Nähe von Bastelica und des Monte Renoso. In der waldfreien hochmontanen Stufe von 1.800–2.100 m treffen Sie vermehrt Grün-Erlen-Sträucher an, so z.?B. in der Nähe des Monte Renoso und des Col de Verde (Wanderungen 39 und 41).

Fauna

Das „Cochon Sauvage“ (wildes Schwein, eine Mischung aus Wild und Hausschwein) ist eine der am häufigsten anzutreffenden Tierarten auf Korsika, was u.?a. auf die Beliebtheit der korsischen „Charcuterie“ (Metzgereiwaren) zurückzuführen ist. Trotz ihres sympathischen Images bringen Sie einige Probleme für die Landesbewohner mit. So zerstören die Schweine während ihren freien Streifzügen öfters Weiden, Zäune und andere Gegenstände. Weniger oft sieht man echte Wildschweine, welche die liebsten Ziele der korsischen Jäger sind. Letztere erkennen Sie leicht an ihrer Guerilla-Garderobe und den knallorangenen Mützen, Jagdsaison ist von von Oktober bis Januar. Der korsische Hirsch und das Mufflon wurden in der Vergangenheit leider ausgerottet, in den 80er Jahren wurden dann aber ähnliche Arten aus Sardinien wiedereingeführt, die jedoch nur selten und allenfalls in höheren Lagen anzutreffen sind. Unter den Vögeln werden Ihnen in den Bergen wahrscheinlich hauptsächlich der Königsadler, aber auch der Lämmergeier auffallen. Auf dem Boden könnten Sie auf den schönen korsischen Feuersalamander treffen, häufiger auch auf die zahlreichen Eidechsenarten und eventuall auch auf verschiedene Schildkrötenarten.

Geographie

Korsika und seine Schwesterinsel Sardinien wurden vor 20?Millionen Jahren im Rahmen eines Grabenbruchs vom Festland und dem Mittelgebirge Estérel an der heutigen Côte d’Azur getrennt. Die frühere Nähe zu den Alpen macht es einfacher, das extreme Relief der Insel zu verstehen: knapp 20% der Oberfläche der Insel sind über 1.000?m hoch, und über 100?Gipfel überschreiten die 2.000?m-Grenze auf einer Insel, die maximal 183?km von Süd nach Nord und 83?km von Ost nach West misst. Die Bergketten entstanden durch das Aufeinanderdriften des Granitsockels der Insel im Südwesten mit dem restlichen Teil der Insel, der hauptsächlich aus verschiedenen Schiefergesteinen besteht (Trennlinie: L’Île Rousse - Corte – Ghisonaccia). Die S-förmige Hauptbergkette Korsikas, die sich von Nordwest nach Südost zieht, stellt die Wasserscheide der Insel dar und besteht aus einer Aneinanderreihung nach Südwesten verlaufender Einzelketten. Die nördlichste hiervon ist die des Monte Cinto (2.706?m. ü. NN, höchster Berg Korsikas), die vom „korsischen Matterhorn“ Paglia Orba (2.525?m. ü. NN) und dem Capu Biancu (2.563?m. ü. NN) flankiert wird. Danach folgt die Kette des Monte Rotondo (2.622?m. ü. NN) und im südlichen Teil der Insel die Kette des Monte Renoso (2.352?m. ü. NN), der Monte Incudine (2.136?m. ü. NN) und L’Uomo di Cagna (1.217?m. ü. NN) als südliches Ende der Hauptkette. Die scharfe Aufteilung der Insel durch diese natürliche Barrieren lässt sich vielleicht als Grund für so manchen Charakterzug der Korsen sehen. Die Inselbewohner fallen Fremden gegenüber leider nicht immer durch Weltoffenheit auf, besitzen untereinander aber sehr wohl Solidarität und Zusammenhalt. Die Küste Korsikas ist, wie auch die Bergwelt, zweigeteilt. Der Westen der Insel zeichnet sich durch eine bergige und zerklüftete Küste aus, in der sich tiefe schöne Buchten und Golfe aneinanderreihen. Diese sind oft nur durch serpentinenreiche Straßen zu erreichen, was den touristischen Zufluss etwas bremst. Die Ostküste Korsikas besteht hauptsächlich aus Marschland und wurde erst nach dem Zweiten Weltkrieg für die Landwirtschaft und den Tourismus erschlossen, der durch den einfachen Zugang zu kilometerlangen Sandstränden an der Küste begünstigt wird. Dieser Teil Korsikas ist der ruhige Gegenpart zur ansonsten faszinierenden und eher dramatischen Naturkulisse der Insel und ist leider auch von einigen Bausünden gezeichnet.

Streckencharakteristik

Länge, Höhenmeter und Touren

Die 50?Touren in diesem Buch sind zum Großteil Halbtagswanderungen, d.?h. Sie können entweder den ganzen Morgen oder den ganzen Nachmittag dafür einplanen. Kürzere Spaziergänge ab 1?½?Stunden und Tageswanderungen bis zu 8?Stunden Wanderzeit komplettieren die Auswahl. Varianten ermöglichen es an vielen Stellen, die Wanderungen zu verkürzen oder zu verlängern. Bezüglich der Länge und der Höhenmeter wird entsprechend der facettenreichen korsischen Landschaft eine große Bandbreite von 2–22?Kilometern und von 40–1.300?Höhenmetern abgedeckt. Insgesamt können Sie mit diesem Führer 510?Kilometer an Wanderungen unternehmen.

Wegweisung, Anforderungen

Bis auf Passagen auf dem GR?20 (rot-weiße Markierung) und dem Mare e Monti (orange Markierung) sind die Wanderwege in den meisten Fällen nicht markiert bzw. ist keine durchgehende Markierung vorhanden. Aufgrund der präzisen Tourenbeschreibungen anhand von Landmarken im Wanderführer wird dies jedoch für Sie kein Problem darstellen. Die Anforderungen auf den Wanderungen sind, wie auch die korsische Natur, sehr vielfältig. Küstenwanderungen sind meist ohne besondere Schwierigkeiten wie z.?B. Kletterpassagen zu meistern und verlaufen auf einfachem Gelände. Sobald eine Wanderung durch bergiges Gebiet führt, können jedoch steile An- und Abstiege, kompliziertes Gelände (viele lose Steine, etc.) und kleine Kletterpassagen (keine Kletterkenntnisse erforderlich) Teil der Wanderung sein. Besondere Schwierigkeiten dieser Art werden bei entsprechenden Wanderungen in der Charakteristik ausgewiesen und evtl. in einem Tipp genauer dargestellt. Die allgemeine Einteilung der Touren in leicht, mittel und schwer wird im Abschnitt „Zu diesem Buch“ auf S.?20 erklärt. Die Begehbarkeit der höchstgelegenen Wanderungen ist nicht ganzjährig gegeben, da Schnee in den Höhenlagen oft erst im Juni oder gar Juli vollständig geschmolzen ist. Falls Sie sich nicht sicher sind, ob Wanderungen durchführbar sind, erkundigen Sie sich bei Meteofrance und La chaine meteo (s. Tourenplanung>Infostellen S.?14) oder versuchen Sie ihr Glück bei der leider meist wenig informierten Touristeninformation.

Wanderwege auf Korsika und ihre Ausstattung

Die Ausarbeitung und Markierung des 200?km langen Weitwanderweges GR?20 im Jahre 1970, der Korsika von Nord nach Süd immer stets nahe der höchsten Berge durchzieht, war der erste wichtige Schritt zur Förderung des Wandertourismus auf Korsika. Der zweite war die Schaffung des Parc Naturel Regional de Corse (PNRC) im Jahre 1972, der mehr als ein Drittel der Insel und vor allem die gebirgigen Regionen einschließt. Die zugehörige Parkbehörde hat mehrere Missionen: Durch die Schaffung von Wanderwegen und ihrer Markierung soll der Wandertourismus gefördert werden, der ein Standbein der ländlichen Ökonomie ist. Außerdem sollen die Natur und das kulturelle Erbe auf Korsika geschützt und dem Besucher nähergebracht werden. Im Rahmen dieses Auftrages wurden neben zahlreichen Tageswanderwegen auch sechs andere Weitwanderwege geschaffen, die weniger Erfahrung und Ausdauer erfordern als der harte GR?20. Dies sind drei Varianten von Mare a Mare (Verbindungswege zwischen West und Ostküste), zwei von Mare e Monti (Vom Meer in die Berge) und als sechster der Sentier de la Transhumance (Almauftriebspfad). Aufgrund des Weitwandertourismus haben sich an der Wegstrecke des GR?20 und der anderen Wege bewirtschaftete Schutzhütten (Refuges) etabliert, bei denen Sie sowohl rasten als auch übernachten können. Im Falle des GR?20 sind diese jedoch im Allgemeinen nur zwischen Mai und September bewirtschaftet (geöffnet sind sie das ganze Jahr). Manchmal befinden sich am Ausgangspunkt von bekannten Wanderungen Imbissbuden, während der Wanderung sind die oben genannten Refuges jedoch meist die einzige Möglichkeit, Essen zu kaufen. Schauen Sie in der Beschreibung der jeweiligen Wanderung beim Punkt „Rastplatz“ nach und planen Sie entsprechend. Lernpfade, die Ihnen Flora, Fauna und Kultur der Ureinwohner näherbringen, gibt es auf Korsika leider noch immer sehr wenige. Ihre Beschreibungen sind in französischer Sprache gehalten.

Tourenplanung

Infostellen

Wandern auf Korsika: Behörde des Parc Naturel Regional de Corse (zuständig für Weitwanderwege und Schutzhütten), Tel.?0495517900 od. 0495505904, Informationsstelle in Ajaccio, 2 Rue du Sergent Casalonga, 20184 Ajaccio, infos@parc-naturel-corse.com
Internetseite des PNRC (französisch): www.parc-corse.org
Offizielle Tourismusbehörde Korsika: www.visit-corsica.com

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