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La Gomera

50 Wanderungen zwischen Regenwald und Steilküste

230 Seiten, 1:35000
Länge: 539 km
Stadtpläne, Höhenprofil, Spiralbindung
978-3-85000-555-5
Preis: € 14,90

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La Gomera

La Gomera wird zu Recht auch als wildeste und steilste Insel der Kanaren bezeichnet. Dies liegt an den zahlreichen, tief eingeschnittenen Schluchten und Kerbtälern, die speichenförmig vom zentralen Hochland ausgehend zur Küste verlaufen. Das leicht hügelige Hochland bildet den berühmten Lorbeer-Nebelwald im Zentrum der 370 Quadratmeter großen Insel. Er bedeckt circa 10% der Gesamtfläche, ist als Nationalpark Garajonay ausgewiesen und wegen seiner Einzigartigkeit von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt worden. Doch wäre es ein Fehler anzunehmen, dass alle schönen Wanderungen Gomeras auf dieses Gebiet beschränkt sind – der wilde Charakter der Insel beginnt dort, wo sich die Schluchten auftun, die mit ihren Steilwänden tolle Aussichten, mittlere bis schwierige Wanderpassagen und eine Vielzahl idyllischer, abgeschiedener Orte für eine Rast bieten. Weiter finden sich auf der Insel völlig unterschiedliche Klimazonen, die vom Gebirgs- und Steigungsregen bis zum typischen Sahara-Klima reichen.

Entstehungsgeschichte und Besonderheiten

Bereits vor über 30 Millionen Jahren begann die Afrikanische Kontinentalplatte aufgrund von Plattenspannungen oder über einem geologischen Hot Spot mit der Förderung von Material des oberen Erdmantels an die Oberfläche, also zunächst auf den 5.000?Meter tiefen Meeresboden. Schicht für Schicht bauten sich unterseeische Berge auf, die irgendwann den Meeresspiegel überragten. La Gomera ist mit rund 12?Millionen Jahre langer Existenz oberhalb des Meeresspiegels eine der älteren Kanarischen Inseln, insbesondere im Vergleich zu den beiden nur 1 bis 2 Millionen Jahre alten Nachbarinseln El Hierro und La Palma. Im Gegensatz zu diesen geht man bei La Gomera auch davon aus, dass keine Verbindung mehr zum Magma aus dem Erdinneren besteht und daher kein Vulkanismus mehr stattfinden wird. Die Insel wurde seit dem Ende der eruptiven Phasen stark vom Meer angegriffen. Ihre Fläche ging um vermutlich mehr als die Hälfte zurück, der höchste Gipfel wurde auf unter 1.500?m abgetragen und von Regengüssen gespeiste Schluchten haben sich durch das Basaltgestein vom Meer bis ins Landesinnere soweit vorgefressen, dass sie bald von allen Seiten in der Inselmitte zusammentreffen werden. Neben den Basaltsäulen sind die „Roques“ ein markantes Merkmal der Landschaft La Gomeras. Die frei stehenden Felsen, von denen der Roque Agando, der Roque Cano und der Tafelberg Fortaleza am bekanntesten sind, waren während der Eruptivphasen die Austrittsschlote von Magma. Während das umgebende weichere Gestein bereits abgetragen wurde, stehen die zu gigantischen Basaltsäulen erstarrten Füllungen der erkalteten Schlote heute teils frei in der Landschaft.

Klima

Heute prägen die verschiedenen horizontalen und vertikalen Klimazonen die Landschaften entscheidend. Der ganzjährig konstant wehende Nordost-Passatwind beherrscht das Klima. Auf seinem Weg über den Atlantik nimmt dieser größere Mengen Feuchtigkeit auf. Treffen die Luftmassen auf die Nordostseite der Insel, müssen sie mehrere 100 bis maximal 1.487?Meter vertikal ansteigen. Dabei kühlt die Luft ab und kann Wasserdampf als Nebel und Regen ausscheiden. Dieser Niederschlag versorgt den Nordosten und Norden der Insel mit reichlich Feuchtigkeit. Auf der Südseite der Insel entsteht dagegen der typische Föhneffekt: die absinkenden Luftmassen heizen sich über Land auf, ohne neue Feuchtigkeit aufnehmen zu können. Die daraus resultierende geringe Luftfeuchtigkeit lässt die Landschaft austrocknen. Das allgemein subtropische Klima der Insel weist in den Küstengebieten nur geringe Schwankungen auf. Die Temperaturen fallen im Bergland auf 1.000?m Höhe 6 bis 10 Grad niedriger aus als an der Küste.

Vegetation

Auf La Gomera werden die verschiedenen Höhenstufen von unterschiedlichen Pflanzenformationen dominiert. Am auffälligsten ist sicherlich der als „Urwald“ beworbene Lorbeerwald im Hochland der Insel. Er reicht von den höchsten Gipfeln bis auf etwa 600?m (Nordseite), beziehungsweise 1.250?m (Südseite) herunter, und wird von vier Lorbeerarten sowie beeindruckend großen Baumheiden, Gagelbäumen und Stechpalmen dominiert. Auf der Nordseite kommen zahlreiche Moose, Flechten, Farne und Schlinggewächse hinzu. Die Wasserversorgung des Lorbeerwalds wird von den Passatwolken mit 600 bis 1.000 Litern Niederschlag pro Jahr und Quadratmeter und den Nebelschwaden, denen viele Pflanzen direkt Wasser entziehen können, gewährleistet. Wo kein Lorbeerwald mehr steht, geht die Vegetation in ein oft als Fayal-Brezal-Formation zitiertes Buschland über, das von niedrigeren Baumheidebeständen und Gagelbäumen dominiert wird. Sowohl auf der Nord- als auch auf der Südseite finden sich am Rand des Lorbeerwalds an Einzelstandorten auch kleine Haine der Kanaren-Kiefer. Unterhalb der bewaldeten Bereiche tauchen verschiedenste Arten von Sukkulenten, wie Wolfsmilchgewächse, Kakteen und Agaven auf. Insbesondere die zahlreichen Arten der Wolfsmilchgewächse haben sich an sämtliche trockenen Lebensräume der Insel angepasst und sind in verschiedensten Formen anzutreffen. Auf der Nordseite der Insel gibt es in geschützten, warmen Trockenlagen auch weit verstreute Wacholderbestände.

Tierwelt

Die gomerische Fauna ist stark begrenzt. Als einzige wilde Säugetiere, die aber ursprünglich vom Menschen auf die Insel gebracht wurden, treffen Sie unterwegs Kaninchen, Ratten und Mäuse, hinzu kommen die domestizierten Hunde, Katzen, Ziegen und einige wenige Kühe. Wesentlich auffälliger ist das breite Spektrum an Insekten und Vögeln, v.a. zahlreichen Raubvögeln in den Felsregionen. In den Lorbeerwäldern wird der Wanderer vom Gesang von Buchfink, Amsel und Rotkehlchen sowie der seltenen und daher streng geschützten Lorbeertauben begleitet. Vor der Küste lassen sich von Ausflugsschiffen aus ganzjährig Wale und Delfine beobachten.

Wandern und andere Freizeitaktivitäten

Von einer Unterkunft, z.B. im beschaulichen Touristenzentrum Valle Gran Rey können Sie zu einer beachtlichen Anzahl beeindruckender Wandertouren entweder direkt loswandern, oder per Bus, Taxi, Mietwagen oder mit einem Veranstalter die über 1.000 Meter Höhenunterschied überbrücken, um das Tal zu verlassen und eine Wanderung in einem anderen Teil der Insel zu unternehmen. Fast die gesamte Oberfläche der Insel ist durch die steilen, schluchtartigen Täler (spanisch „Barrancos“) gegliedert, so dass Sie mit jeder Tour ein anderes Gebiet unter die Sohlen nehmen können. Kulturell werden Ihnen neben dem Nationalpark-Besucherzentrum nahe Las Rosas auf der Insel verstreut vereinzelte Museen angeboten. Neben dem Wandern laden die Veranstalter insbesondere im Valle Gran Rey auch zu weiteren Aktivitäten ein: es können Bootsausflüge zum Orgelfelsen an der Nordwestküste oder zu den Walen und Delfinen des Ozeans gemacht werden, es lohnt sich, an den steinigen Stränden zu Schnorcheln, es können geführte Mountainbike-Touren und natürlich auch geführte Wanderungen unternommen werden. Wer gar nicht genug bekommen kann, folgt dem 5 bis 8 Tage dauernden Rundwanderweg GR132 um die Insel herum. Auch die Festkultur hat einiges zu bieten. Insbesondere im Sommer finden quasi jede Woche irgendwo katholische Dorf- und Kapellenfeste statt, die mit tagelangen Feierlichkeiten den Kapellenheiligen ehren. Jährlich am 15. August findet die größte Fiesta der Insel auf dem Dorfplatz von Chipude statt, alle fünf Jahre die Prozession der Insel-Schutzheiligen durch alle Orte der Insel, ausgehend von Puntallana bei San Sebastián.

Streckencharakteristik

Tourenlänge, Höhenmeter und Tourengebiete

Die 50 Touren dieses Buches sind zwischen 4 und 20 Kilometer lang und beinhalten zwischen 200 und 1.100 Steigungsmeter, so dass vom Spaziergang bis zur ausgewachsenen Ganztagswanderung für jeden etwas dabei ist. Mit wenigen Ausnahmen handelt es sich um Rundwanderungen. Bei den Streckentouren wurde ganz besonders auf eine gute Nahverkehrsanbindung für die Hin- bzw. Rückfahrt geachtet. Zur logischen Gliederung wurden die Wanderungen in fünf Teilgebiete sortiert, von denen jedes zehn Touren enthält. Im Nationalpark Garajonay, dem Hochland in der Mitte der Insel, finden Sie die Touren 1 bis 10. Westlich davon, im Bereich um die Orte Valle Gran Rey und Alojera, befinden sich die Touren 11 bis 20. Den Norden der Insel um die Hauptorte Vallehermoso, Agulo und Hermigua decken die Touren 21 bis 30 ab. Im dünn besiedelten Ostteil der Insel mit dem Hauptort San Sebastián befinden sich die Touren 31 bis 40. Den Süden um Imada, Alajeró und Playa de Santiago decken schließlich die Touren 41 bis 50 ab. Die Begrenzung bringt es stellenweise mit sich, dass zwei unmittelbar benachbarte, teils sogar in Abschnitten überdeckende Touren wegen ihrer „Grenzlage“ völlig unterschiedliche Nummern tragen, wie z.B. die Touren 4 und 18. Orientieren Sie sich daher zum Auffinden der Tourennummern am besten an der Übersichtskarte auf der Innenseite des Umschlags.

Wegmarkierung

Die älteste Form der Wegmarkierung sind die „Steinmänner“, die sich auf ansonsten unmarkierten Wegen finden. Es handelt sich dabei um kleine Stapel aus Steinen, die nach oben immer schmaler werden und sich selbst in Felsrutschzonen durch ihre unnatürliche Stapelung von der Umgebung abheben. Fehlt einmal ein Steinmann, können Sie dem nächsten Wanderer einen großen Gefallen erweisen, wenn Sie einen neuen errichten. Im Nationalpark Garajonay (und nur dort) sind sämtliche Beschilderungen auf grünen Schildern mit weißer Schrift angebracht; oft finden sich zusätzlich Routennummern, deren zugehörige Routenverläufe an verschiedenen Punkten im Wald auf Schautafeln erläutert werden. Wo kein Schild steht, aber eine Markierung nötig ist, finden Sie Holzpfosten im Boden, die weiße und grüne Banderolen tragen. Die häufigste Form der Wegmarkierung auf den restlichen 90% der Inselfläche ist der weiße Holzwegweiser mit Zielbeschriftung und gelbem oder rotem Ende. Diese Wegweiser werden seit 2004 vermehrt angebracht, um Wanderrouten auszuweisen. Auch diese Wegweiser beschreiben nicht direkt Zielorte, sondern immer vorgegebene Touren, die meist Rundtouren sind. Wegweiser mit gelbem Ende beschreiben mittelschwere Routen, die auf dem Wegweiser mit „PR LG“ und einer Routennummer angegeben werden. „PR“ steht für „Pequeña Recorrida“ (Kurzstrecke; relativ zu Europa-Wanderwegen also meist Tageswanderungen), „LG“ für La Gomera. Die Nummer dahinter stellt den nummerierten lokalen Wanderweg dar, an dessen Anfang und Ende Informationstafeln mit Wegeübersicht stehen. Die Wegweiser mit den roten Enden markieren die beiden Europa-Wanderwege GR?131 und GR?132 („GR“ = „Gran Recorrida“, „Grande Route“, europaweit durchnummerierte Langstreckenwanderungen). Der GR?131 durchquert die Insel von San Sebastián über den Gipfel des Garajonay zum Strand von Vallehermoso, der GR?132 führt einmal küstennah außen um die Insel herum. Daher tauchen die Wegweiser mit den roten Enden überall auf der Insel auf, obwohl sie nur zwei Routen markieren. Zwischen den Wegweisern sind die PR- und GR-Routen an vielen (leider nicht allen) Abzweigen mit an Steine und Wände gesprühten Zeichen markiert: zwei waagerechte, übereinander liegende Balken in den Farben weiß und gelb (PR) oder weiß und rot (GR). Im Nationalpark finden sich stellenweise auch weiß-grüne Balken für sehr kurze Rundwege. Beachten Sie, dass zwei in einem Knick um die Ecke weisende Balken stets auf eine Abbiegung hinweisen und zwei über Kreuz liegende Balken Ihnen sagen wollen, dass der Weg nicht hier weiter führt.

Qualität der Wege

Es ist wichtig zu wissen, dass La Gomera erst im 20. Jahrhundert mit breiten Wegen (i.d.R. Straßen für PKW) „ausgerüstet“ wurde, und zuvor ein Fußwegenetz existierte, das auch die kleinsten Weiler miteinander auf teils gut ausgebauten Pflasterwegen oder Trampelpfaden verband. All diese Fußwege existieren bis heute fort und sind meist begehbar, selbst wenn die damit verbundenen Orte längst verwaist sind. Es ist also essentiell für das Wandern auf La Gomera, sich bewusst zu machen, dass Sie sich größtenteils auf alten Dorfverbindungswegen bewegen, von denen aber nur ein kleiner Teil als Wanderwege beschildert oder in Karten aufgenommen wurde. Von allen Wegen zweigen gelegentlich Grundstücks- oder Terrassenzugänge ab. Beim Markieren der Wege als Wanderwege für den Tourismus wurden die sparsam eingesetzten Markierungen oftmals nicht an Grundstücksabzweigen gesetzt, obwohl diese für Auswärtige wie gleichwertige Gabelungen erscheinen mögen. Auch an Abzweigen, wo der richtige Weg schlicht geradeaus weiter verläuft, hat man oft auf Markierungen verzichtet; Sie sollten in diesen Fällen einfach geradeaus laufen, oft finden Sie dann 50 oder 100 m später eine Markierung an einer Stelle, wo sie gar nicht nötig gewesen wäre – die Ihnen aber wieder Sicherheit gibt, auf dem richtigen Weg zu sein. Unmittelbar bei Redaktionsschluss im August 2012 wütete auf La Gomera ein größerer Waldbrand, der insbesondere das Gebiet um den Ort Chipude und den Tafelberg Fortaleza betraf und auch einige Waldstücke am südlichen Rand des Nationalparks zerstörte. Es war noch nicht abzusehen, wie sich die Feuer mittelfristig auf die Wanderwege in dem Gebiet auswirken würden. Bitte haben Sie beim Wandern in den genannten Teilen des Nationalparks und des Inselsüdens Verständnis dafür, wenn Wegabschnitte noch unpassierbar sind oder verlegt wurden. Autor und Verlag freuen sich über Ihre Mitteilungen zu Veränderungen aller Art.

Tourenplanung

Infostellen

Patronato de Turismo de La Gomera, Calle Real 4, E-38800 San Sebastián de La Gomera, Tel.?(+34)922/141512 oder (+34)922/870281, turismo@gomera-island.com, www.gomera-island.com
Valle Gran Rey (Ortsteil La Playa), Calle La Noria?6 (Parallelstraße hinter der Promenade, weißes Gebäude), Tel.?(+34)922/805458
Playa de Santiago Promenadenstraße Avenida Marítima, Gebäude „Las Vistas“, Lokal?8, Tel.?(+34)922/895650

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