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Heerweg Ochsenweg

Von Viborg nach Hamburg

160 Seiten, 1:75000
Länge: 540 km
Stadtpläne, Übernachtungsverzeichnis, Höhenprofil, Spiralbindung
978-3-85000-182-3
Preis: € 12,90

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Höhenprofil

Heerweg und Ochsenweg

Die beiden Radfernwege Heer- und Ochsenweg folgen den Spuren des zentralen Fernwegs, der vermutlich bereits seit der Steinzeit, spätestens aber seit der Bronzezeit, Nordeuropa mit Mitteleuropa verband. Er verlief vom Norden der sog. Cimbrischen Halbinsel – benannt nach einem Germanischen Volksstamm, der im Norden des heutigen Jütlands in Dänemark siedelte – auf einem schmalen Korridor über den Jütischen Höhenrücken und durch die Geest und Marschlandschaft bis an die Elbe bei Wedel. Viele Reisende benutzten diesen Weg, darunter Pilger, Fürsten und Bettler, Handwerker, Kaufleute und Viehtreiber mit ihren Ochsenherden sowie Könige mit ihren Heeren. So unterschiedlich die Reisenden, so vielfältig seine Namen: Pilgerweg, Königsweg, Sachsenweg oder einfach Landweg. Heute ist dieser alte Fernweg unter zwei Namen bekannt, von denen in Dänemark die Bezeichnung Heerweg (dän. Hærvejen), in Deutschland der Begriff Ochsenweg am gebräuchlichsten sind.
Unter dem Landfernweg Heer- oder Ochsenweg darf man sich keinen Weg vorstellen, der auf einer einzigen befestigten Trasse durchgehend von einem Ort zu einem anderen verlief. Vielmehr bestand dieser Landfernweg stellenweise aus einem Geflecht parallel verlaufender Wege. Schon in vorchristlicher Zeit passte sich der Verlauf von Wegen den vorherrschenden Geländebedingungen an und so entstanden Wege auf den am leichtesten passierbaren Strecken. Der Heer- oder Ochsenweg, in Viborg beginnend, folgte der jütischen Wasserscheide zwischen Nord- und Ostsee nach Süden und ab der Königsau (dän. Kongeåen) entlang der eiszeitlichen Endmoränen über Aabenraa (DK), Flensburg und Schleswig bis nach Rendsburg an der Eider. Südlich der Eider verzweigte sich der Fernweg in mehrere Trassen, die sich aber alle wieder an der Elbe in Wedel trafen. Die Bezeichnung Ochsenweg hebt die kaufmännische Geschichte des Fernweges hervor. Seine besondere Bedeutung als Handelsweg erlangte der Ochsenweg ab Mitte des 14. Jahrhunderts mit den großen Ochsentriften. Mit der Entstehung der mitteleuropäischen Handelsstädte wuchs der Fleischbedarf stetig, der konnte jedoch längst nicht mehr über die regionale Versorgung gedeckt werden. Auf diese Weise entstand ein reger Tierhandel vor allen Dingen aus Dänemark, darunter hauptsächlich Ochsen, aber auch Gänse, Schweine, Pferde, Ziegen und Schafe. Die Ochsentriften von Viborg bis zu den saftigen holsteinischen und friesischen Elbmarschen begannen in der Regel im Frühjahr. Eine Herde bestand im Durchschnitt aus etwa 40 bis 50 Rindern, die von mehreren Treibern und Futterbeschaffern begleitet wurden. Die Futterbeschaffer reisten der Trift voraus, um Unterkünfte und Futter für die Tiere und die sie begleitenden Treiber zu sorgen.
Zur Hochzeit des Ochsenhandels im 16. Jahrhunderts wurden innerhalb von 6 Wochen bis zu 50.000 Ochsen gezählt. Die großen Herden mieden aufgrund des hohen Lärm- und Schmutzpegels, den sie verursachten, größere Orte und suchten sich ihre Pfade durch weniger besiedelte Gegenden. So entstanden im „Nirgendwo“ die sog. Heerwegskrüge und Wirtshäuser sowie Tränken, in denen sich Mensch und Tier versorgen konnten. Ziel der Trift war Wedel an der Elbe mit dem bedeutendsten Ochsenmarkt der damaligen Zeit und einer der beiden wichtigsten Fähren an der unteren Elbe, die auch Vieh transportierten.
Nach ihrer Ankunft in Wedel – nach etwa 10 bis 14 Tagen – waren die Tiere von der anstrengenden Trift zumeist sehr abgemagert und mussten zunächst auf den saftigen Marschwiesen gemästet werden, bevor sie im Herbst gewinnbringend auf den wichtigsten Ochsenmärkten in Wedel, Itzehoe, Bad Bramstedt und Hamburg wieder verkauft werden und von dort ihre letzte Reise zu deutschen Schlachtern, in die Niederlande oder weiter bis nach Frankreich antreten konnten. Händler und Treiber reisten danach mit gut gefüllten Geldbeuteln, bzw. einem reichen Warenkorb (meist mit Kupfer, Glas, Zinn, Waffen u.ä gefüllt.) zurück in ihre dänische Heimat.
Mit den großen Kriegen im 17. Jahrhundert nahm der Ochsenhandel stetig ab und erreichte danach nie mehr den Umfang des 16. Jahrhunderts. Ochsentriften gab es dennoch bis ins 19. Jahrhundert. Mit dem Bau der Eisenbahn übernahm diese den Viehtransport und beendete damit die lange Geschichte der Ochsentrift auf dem Ochsenweg.
Die Bezeichnung Heerweg wiederum hebt die militärische Geschichte der Strecke hervor. Die dänische Bezeichnung Hærvej kann zurückverfolgt werden bis in das Jahr 1241. Im Jyske Lov (Jütischer Gesetzestext) wird der Landweg als Kongens Hærstræde (königliche Heerstraße) bezeichnet und auch auf alten deutschen Landkarten findet man die Eintragung Heerweg, die noch heute gebräuchliche dänische Bezeichnung.
Der Heerweg diente immer wieder als Rück- bzw. Aufzugsstrecke für dänische, schwedische und deutsche Armeen. Die ersten kriegerischen Auseinandersetzungen sind für das 10. Jahrhundert überliefert, aber besonders hart trafen die Bewohner Jütlands die drei großen Kriege im 17. Jahrhundert (Kaiserlicher Krieg, Schwedisch.-Dänischer Krieg und Dänisch-Schwedischer Krieg) und natürlich die deutsch-dänischen Auseinandersetzungen um Schleswig und Holstein im 19. Jahrhundert.
Ältestes imposantes bauliches Beispiel für die Kriegsgeschichte auf der Cimbrischen Halbinsel ist das vom 7. bis ins 13. Jahrhundert genutzte Danewerk an der Schleswiger Landenge, ein 7 Kilometer langer Wehrriegel, der das Dänische Reich gegen Einfälle aus dem Süden über den Heerweg schützte. Aber auch die Museen und Denkmäler – hauptsächlich im holsteinischen Teil der Strecke (Idstedt, Oeversee) zeugen von den Leiden, die der Weg auch brachte. Neben dem Grauen kriegerischer Kämpfe bietet der Heerweg dann aber auch skurrile Geschichten, wie die vom Beitrag Hohenlockstedts zur Befreiung Finnlands zu Beginn des 20. Jahrhunderts, der sich das Hohenlockstedter „Museum zur Darstellung der Ortsgeschichte Hohenlockstedts und der Geschichte der Königlich Preußischen Jägerbataillons 27 – der Finnischen Jäger“ mit viel Liebe zum Detail widmet.
Die beiden Radfernwege Heerweg und Ochsenweg bietet also die seltene Gelegenheit, sich auf den Weg in die dänische und deutsche Geschichte zu begeben und die daran anknüpfenden kulturgeschichtlichen und politischen Entwicklungen Dänemarks und Norddeutschlands radelnd zu erkunden. Zahlreiche wiederentdeckte Stätten verschiedenster Jahrhunderte und geschichtsträchtige Orte werden durch den Radfernweg verbunden und in Deutschland von sogenannten Ochsenweg-Hörnern markiert.
Die beiden Radfernwege orientieren sich an dem einstigen Verlauf des Landfernweges, führen aber nur an sehr wenigen Stellen über dessen historische Trasse, von der in Schleswig-Holstein gerade einmal 10% erhalten sind. Gerade in Deutschland hat man bei der Ausschilderung den aufgefächerten Verlauf des Heer- oder Ochsenweges berücksichtigt. So ist bei Flensburg, bei Schleswig und ab Rendsburg je eine Ost- und Westvariante ausgeschildert – die ersten beiden finden Sie in Abschnitt 3, letztere in Abschnitt 4 & 5 beschrieben. Das Radtourenbuch Heerweg/Ochsenweg beginnt mit dem Heerweg (dän. Hærvejen) im dänischen Viborg und endet mit dem Ochsenweg in Wedel an der Elbe. Jedem Unermüdlichen und jeder Reisenden, die das Radfieber nach mehr als 500 Kilometern noch nicht verlassen hat und die noch die Muße verspürt mit dem Fahrrad weiter nach Hamburg zu radeln, um von dort die Heimreise nach einem spannenden Radurlaub anzutreten, ist der letzte Abschnitt gewidmet. Viel Spaß auf einem spannenden Radurlaub!.

Streckencharakteristik

Länge

Die Länge des Heerweges und Ochsenweges von Viborg bis Hamburg beträgt zusammen 543 Kilometer – unabhängig davon, welche der beiden Variante des Ochsenweges Sie von Rendsburg nach Wedel wählen. Ausflüge und Alternativstrecken sowie die in Deutschland ausgeschilderten Exkurse sind nicht mitberechnet.

Wegequalität & Verkehr

Die Wegequalität in Dänemark als auch in Deutschland ist überwiegend gut bis sehr gut. Zumeist fahren Sie auf asphaltierten straßenbegleitenden, teils entlegenen Radwegen und Nebenstraßen, sehr selten auf unbefestigten, gut befahrbaren Wald- und Feldwegen, ab Rendsburg verstärkt auf unterschiedlich gut befahrbaren Wirtschaftswegen, die mit Betonspurplatten befestigt sind. Heerweg als auch Ochsenweg verlaufen auf ruhigen Straßen und Wegen sowie auf straßenbegleitenden Radwegen. Lediglich auf dem Ochsenweg ist eine Verdichtung des Verkehrs auch auf den Nebenstraßen in den Einzugsgebieten der größeren Städte wie Flensburg, Schleswig, Rendsburg, Itzehoe, Neumünster und Hamburg spürbar.
Gefährliche Straßenkreuzungen werden in Dänemark durch Straßenuntertunnelungen und Überwegen entschärft. In Deutschland wartet man schon einmal länger an einer vielbefahrenen Straßenkreuzung, wenn keine Ampeln vorhanden sind – das aber zum Glück nur selten und doch für Reisende mit Kindern kein Vergnügen Viel befahrene Straßenstücke ohne Ausweichmöglichkeit gibt es auf dänischer Seite hinter Løager und Vojens sowie bei Gejlå. Näheres zum möglichen Verkehrsaufkommen und gefährlichen Stellen entnehmen Sie den Karten.

Beschilderung

Die beiden Radwege Heerweg und Ochsenweg sind durchgängig in beide Richtungen beschildert. Die Beschilderung ist in den beiden Ländern wie schon die Bezeichnung des Radfernweges recht unterschiedlich.
In Dänemark ist der Heerweg (dän. Hærvej) als Nationalroute 3 mit einem blauen viereckigen Schild ausgeschildert, das mit der Nummerierung auf rotem Untergrund versehen ist. In Deutschland wird ein rechteckiges weißes Schild mit grüner Umrandung und der Umrissdarstellung der Cimbrischen Halbinsel verwendet. Hinzu kommen beiden Beschilderungstypen Richtungswegweiser und/oder Orts- und Entfernungsangaben

Tourenplanung

Wichtige Telefonnummern: Internationale Vorwahl für Dänemark: 0045, Internationale Vorwahl für Deutschland: 0049. Bitte beachten Sie, dass es in Dänemark keine Ortsvorwahlen gibt, sondern lediglich achtstellige Telefonnummern, d.h. Sie wählen in Dänemark keine Null vor, sondern lediglich die Nummer nach der Internationalen Vorwahl.

Zentrale Infostellen

Deutschland: Gebietsgemeinschaft „Grünes Binnenland“ e.V., Stapelholmer Weg 13, D-24963 Tarp, Tel: 04638/898404, Fax 898405,

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