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Europa-Radweg Eiserner Vorhang 3

Teil 3: Am "Grünen Band" von der deutsch-tschechischen Grenze zum Schwarzen Meer

192 Seiten, 1:300000
Länge: 3300 km
Stadtpläne, Spiralbindung
978-3-85000-274-5
Preis: € 15,90

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Europa-Radweg Eiserner Vorhang

Der Eiserne Vorhang verlief auf einer Länge von fast 7.000 km von der Barentssee quer durch Europa bis zum Schwarzen Meer und trennte den Kontinent in Ost und West. Bis zu den friedlichen Revolutionen in Ostmitteleuropa war er die physische und ideologische Grenze zweier sich feindlich gegenüberstehender Blöcke. Dadurch wurden nicht nur viele Nachbarstaaten voneinander getrennt, sondern auch Deutschland in Ost und West gespalten. Heute ist von dem ehemaligen Todesstreifen kaum noch etwas zu sehen, seine Relikte erinnern und – abe sie trennen nicht mehr.
Man muss Erinnerung sichtbar machen! Wir wissen, dass es zwischen West und Ost noch keine gemeinsame Erinnerung gibt, dass sich die Europäer im Osten und im Westen ihrer Grenze auf unterschiedliche Art und Weise erinnern, auch weil sie von der offiziellen Politik in beiden Teilen Europas völlig konträr interpretiert worden war. Die Warschauer-Pakt-Staaten hatten sie zum „Schutz vor dem Klassenfeind“verklärt, für den Westen war sie das Symbol der Unfreiheit im real existierenden Sozialismus.
Sichtbare Erinnerung gibt es bereits mit dem „Berliner Mauer-Radweg“, der seit 2001 vom Berliner Senat ausgeschildert und fahrradfreundlich ausgebaut wurde. Als Ergänzung zur Markierung des ehemaligen Mauerverlaufs und zur künstlerischen Gestaltung der Grenzübergänge wurde die „Geschichtsmeile Berliner Mauer“ ins Leben gerufen, eine viersprachige Dauerausstellung (deutsch, englisch, französisch, russisch), die mit etwa 30 Tafeln über die Geschichte von Teilung, Mauerbau und Maueröffnung informiert. Mit Fotografien und kurzen Texten werden Ereignisse geschildert, die sich am jeweiligen Standort zugetragen haben. Der „Berliner Mauer-Radweg“ wurde Bestandteil des Tourismus-Programms von Berlin und ist das erste Projekt, das den sanften mit dem Stadttourismus verbindet. In Berlin kann man in der Tat Geschichte, Kultur und Politik „erfahren“.
Aber nicht nur Berlin, auch Deutschland war jahrzehntelang gespalten. Auch die Erinnerung an den 1.400 Kilometer langen innerdeutschen Grenzstreifen gilt es zu bewahren. Deshalb brachten die Koalitionsfraktionen von SPD und Bündnis 90/Die Grünen am 30. Juni 2004 im Deutschen Bundestag einen Antrag ein (DS 15/3454), den ehemaligen Todesstreifen in einen Lebensraum umzuwandeln. Er sollte für den sanften Tourismus erschlossen und für die Gestaltung eines europäischen Grünen Bandes (Grünes Band Europa) entlang des früheren „Eisernen Vorhangs“ entwickelt werden. Dafür hat der Deutsche Bundestag im Dezember 2004 einstimmig votiert.
Der „Deutsch-Deutsche Radweg“ am „Grünen Band“ führt an 150 Naturschutzgebieten entlang und integriert zahlreiche Flora-Fauna-Habitat-Gebiete (FFH), die drei Biosphärenreservate Schaalsee, Elbaue und Rhön sowie den Nationalpark Harz. Er führt von der Ostsee bis zur tschechischen Grenze an zahlreichen Flüssen und Seen entlang und überwindet die Höhen des Harzes ebenso wie die des Thüringer Waldes. Er passiert viele Denkmäler und Grenzlandmuseen ebenso wie manche der noch verbliebenen Wachtürme.
Aber auch Europa war jahrzehntelang gespalten. Von der Barentssee an der norwegisch-­russischen Grenze bis zum Schwarzen Meer verlief der Eiserne Vorhang. Heute trennt er nicht mehr. Er ist Symbol einer gemeinsamen und gesamteuropäischen Erfahrung im wiedervereinigten Europa. Auch deshalb hat das Europäische Parlament im Herbst 2005 meinem Antrag mit großer Mehrheit zugestimmt, den „Iron Curtain Trail“ („Europa-Radweg Eiserner Vorhang“) in seinen Bericht über „Neue Perspektiven und Herausforderungen für einen nachhaltigen europäischen Fremdenverkehr“ aufzunehmen. Er ist Bestandteil des kollektiven Gedächtnisses, mit dem die viel beschworene europäische Identität gefördert werden kann.
Die Geschichte der europäischen Spaltung beginnt nicht mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs, sondern mit Hitlers Machtergreifung am 30. Januar 1933 und dem Beginn des Zweiten Weltkriegs am 1. September 1939, als deutsche Soldaten in Polen einmarschierten. Ohne den von Nazi-Deutschland entfesselten Zweiten Weltkrieg wäre Europa nicht gespalten worden.
Die Anti-Hitler-Koalition war sich trotz der unterschiedlichen ideologischen Ausrichtung im gemeinsamen Kampf gegen das nationalsozialistische Deutschland einig. Das änderte sich aber schon bald nach der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht. Bereits am 5. März 1946 hatte der nach Kriegsende abgewählte britische Premierminister Winston Churchill in seiner berühmten Rede in Fulton/Missouri festgestellt, dass ein Teil Europas hinter einem „Eisernen Vorhang“ verschwunden und damit eine Spaltung Europas eingetreten sei. Der Kalte Krieg hatte begonnen.
Weil die Führungen der Warschauer-Pakt-Staaten nicht gewillt waren, politische Freiheitsrechte zu gewähren und sich als unfähig erwiesen, die wirtschaftlichen Probleme zu lösen, kam es immer wieder zu Aufständen. Der 17. Juni 1953 in der DDR war der erste Volksaufstand im sowjetischen Machtbereich nach dem Zweiten Weltkrieg. Ihm folgten die Posener Demonstrationen im Juni 1956, die Revolution in Ungarn im Oktober 1956, der Prager Frühling 1968 und die Charta 77 in der Tschechoslowakei und die Entstehung der Solidarno-Bewegung in Polen 1980. Die Aktivitäten der Gewerkschaft Solidarno, die erfolgreiche Orientierung der Ungarn nach Westen, die Unabhängigkeitsbewegungen in den baltischen Staaten und der Abbau des Stacheldrahts an der ungarisch-österreichischen Grenze durch die beiden Außenminister Guyla Horn und Alois Mock am 27. Juni 1989 bereiteten den Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989 und damit das Ende des Eisernen Vorhangs in Europa vor.
Nach dem Vorbild vom Berliner Mauer-Radweg und vom Deutsch-Deutschen Radweg soll nun entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs auf dem früheren Todesstreifen ein Rad- und Wanderweg entstehen, der Reisen auf den Spuren der gemeinsamen Geschichte unseres Kontinents ermöglicht. Das 6.800 Kilometer lange „Grüne Band“ von der Barentssee zum Schwarzen Meer steht seit 2002 unter der Schirmherrschaft von Michail Gorbatschow, dem früheren Präsidenten der Sowjetunion und heutigen Präsidenten von Green Cross International (GCI). Damit wird die Bedeutung des Grünen Bandes für den Naturschutz und der Wert als Symbol der Vereinigung zwischen Ost und West auch international anerkannt. Wenn die Mitgliedsstaaten in Zusammenarbeit mit dem Europäischen Parlament und der EU-Kommission das Projekt realisieren, wird man auch europäische Geschichte, Politik und Kultur erfahren können.
An diesem Projekt sind 20 Länder beteiligt, darunter 14 Mitgliedstaaten der EU. Beginnend an der Barentssee verläuft der Rad- und Wanderweg entlang der norwegisch-russischen und finnisch-russischen Grenze bis zur Ostsee und passiert dort die Küstenstreifen von Estland, Lettland, Litauen, Kaliningrad, Polen und der ehemaligen DDR. Von der Halbinsel Priwall bei Travemünde bis zum sächsisch-bayerisch-tschechischen Dreiländereck folgt die Route dem ehemaligen innerdeutschen Grenzstreifen. Dann führt sie über die Höhen des Böhmerwalds, vorbei an Mähren und der slowakischen Hauptstadt Bratislava, um bei Wien die Donau zu überqueren. Entlang der Südgrenze Ungarns führt der Weg über Slowenien und Kroatien. Zwischen Rumänien und Serbien folgt die Strecke weitgehend dem Lauf der Donau, um schließlich über Bulgarien, die ehemalige Jugoslawische Republik Mazedonien und Griechenland am nördlichsten Punkt der Türkei an der bulgarischen Schwarzmeerküste zu enden.
Die Strecke verläuft durch mehrere Nationalparks mit einer interessanten Flora und Fauna und verbindet eine Vielzahl einzigartiger Landschaften, die wegen ihrer Grenzlage und vormaligen Sperrzonen nahezu unberührt geblieben sind. Er verbindet aber auch unzählige Mahnmale, Museen und Freiluft-Einrichtungen, die an die Geschichte der Spaltung Europas und seiner Überwindung durch die friedlichen Revolutionen in Ostmitteleuropa erinnern.
Wie beim „Berliner Mauer-Radweg“ und dem „Deutsch-Deutschen Radweg“ können auch beim „Europa-Radweg Eiserner Vorhang“ die teilweise noch bestehenden asphaltierten Patrouillenwege der Grenzanlagen genutzt werden. In vielen Ländern und Regionen Europas wird an dem Projekt gearbeitet, zahlreiche Abschnitte sind schon ausgeschildert und ausgebaut.
Natürlich gibt es viele Alternativen, wo man sich im Grünen Band mit dem Fahrrad bewegen kann. Ob auf der westlichen oder der östlichen Seite, ob näher an der Grenze oder weiter entfernt, ob auf Kolonnenwegen mit Lochplatten oder auf Asphalt. Die vorgeschlagene Route wurde nach den folgenden fünf Kriterien ausgewählt:
• möglichst nahe an der ehemaligen Grenze
• auf komfortabel zu befahrenden Wegen
• stark befahrene Straßen vermeidend
• die ehemalige Grenze häufig querend
• viele Zeugnisse der Geschichte integrierend
Der Routenvorschlag versteht sich als „work in progress“. Selbstverständlich wissen die Menschen vor Ort besser über ihre Gegend Bescheid, auch gibt es immer wieder Änderungen durch Baumaßnahmen u. ä. Deshalb freuen sich Autor und Verlag über Anregungen und Verbesserungsvorschläge, die sich nach den oben erwähnten Kriterien richten.
Die drei Bände vom „Europa-Radweg Eiserner Vorhang“ wären nicht möglich geworden ohne die Unterstützung anderer Personen und Institutionen. Deshalb möchte ich mich für die großzügige Unterstützung bei der „Stiftung Aufarbeitung der SED-Diktatur“ recht herzlich bedanken, die ihr Archiv geöffnet und viele historische Fotos zur Verfügung gestellt hat.
Bedanken möchte ich mich auch bei Roland Esterbauer und seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die von Anfang an das Projekt unterstützt und professionell umgesetzt haben.
Da ich – anders als bei den Büchern „Berliner Mauer-Radweg“ und „Deutsch-Deutscher Radweg“ – die Strecken nicht selber abradeln und beschreiben konnte, möchte ich auch besonders jenen europäischen Freunden danken, die die Streckenerfassung und -beschreibung übernommen haben:
Für Band 1 vom „Europa-Radweg Eiserner Vorhang“ war auf dem norwegisch-russischen und dem finnisch-russischen Abschnitt Timo Setälä auf dem Rad unterwegs, gefolgt von Frank Wurft, der den estnisch-lettischen Teil bis Tallinn dokumentiert hat. Für die Strecke von Tallinn über Litauen, Kaliningrad und Polen bis zur deutsch-polnischen Grenze gilt mein Dank Stephan Felsberg. Für Band 2 konnte für den Abschnitt von der deutsch-polnischen Grenze bis zur Halbinsel Priwall bei Travemünde auf das Buch „Ostseeküsten-Radweg 2“ vom Verlag Esterbauer zurückgegriffen werden. Der Abschnitt von der Ostsee bis zur deutsch-tschechischen Grenze war eine Überarbeitung des bereits 2007 erschienenen Buches „Deutsch-Deutscher Radweg“.
Für Band 3 war entlang der tschechisch-deutschen Grenze Pavel Svoboda unterwegs, abgelöst von Dr. Pavel Sroubek, der den slowakisch-österreichischen Teil aufgezeichnet hat. Adam Bodor war für die Grenzstrecken von Ungarn mit Österreich, Slowenien, Kroatien und Serbien verantwortlich. Dabei wurden sie von Marco Bertram unterstützt, der nicht nur den ehemaligen Eisernen Vorhang an der Westgrenze von Tschechien, der Slowakei und Ungarn abgeradelt hat, sondern auch die östlichen Grenzen von Deutschland, Österreich, Slowenien, Kroatien und Serbien.
Marco Bertam hat auch die letzten Etappen durch Rumänien und Bulgarien, mit Abstechern nach Serbien, Makedonien, Griechenland und in die Türkei, bis zum Endpunkt des Radweges am Schwarzen Meer beschrieben. Auch ihm ein herzliches Dankeschön.
Bei der Koordination des Projektes und der Redaktion der drei Bücher wurde ich von Johannes Dopffel, Korbinian Frenzel, Christoph Gelbhaar, Uwe Giese, Antje Kapek, David Kupfer, Jens Müller, Liesa Siedentopp und Erdmute Safranski tatkräftig unterstützt, denen ebenfalls mein besonderer Dank gilt. Bedanken möchte ich mich vor allem bei der europäischen Initiative europeangreenbelt (www.greenbelt.eu), die gemeinsam mit Naturschützern aus den mittel- und osteuropäischen Ländern das Projekt „Green Belt“ ins Leben gerufen hat, mittlerweile eines der erfolgreichsten und zugleich symbolträchtigsten europäischen Projekte.
Und bedanken möchte ich mich nicht zuletzt auch bei Michail Gorbatschow, der seit 1993 der Präsident von Green Cross International ist und das Projekt „Green Belt“ mit Nachdruck unterstützt.
Seit dem Fall des Eisernen Vorhangs in Europa sind 20 Jahre vergangen. Wir wissen: Nur wer seine Vergangenheit kennt, wird die Zukunft meistern. Wir alle wollen die Zukunft positiv gestalten, wir alle wollen uns mit Wehmut an die jahrzehntelange Spaltung unseres Kontinents erinnern und mit Dankbarkeit an deren Überwindung durch die friedlichen Revolutionen in Ostmitteleuropa denken. In diesem Sinne wünsche ich eine anregende Lektüre und viel Freude beim Erfahren von europäischer Geschichte, Politik und Kultur.

Informationen zum Buch

Dieser Radreiseführer enthält alle Informationen, die Sie für den Radurlaub entlang des Europa-Radweges Eiserner Vorhang benötigen: Exakte Karten, eine detaillierte Streckenbeschreibung, Übernachtungsmöglichkeiten und die wichtigsten Informationen zu touristischen Attraktionen und Sehenswürdigkeiten.

Die Karten

Die Detailkarten sind im Maßstab 1 : 300.000 erstellt. Zusätzlich zum Routenverlauf informieren die Karten auch über die Beschaffenheit des Bodenbelages (befestigt oder unbefestigt), Steigungen (leicht oder stark), Entfernungen sowie über kulturelle, touristische und gastronomische Einrichtungen entlang der Strecke.
Allerdings können selbst die genauesten Karten den Blick auf die Wegbeschreibung nicht ersetzen. Beachten Sie, dass die empfohlene Hauptroute immer in Rot und Violett, Varianten und Ausflüge hingegen in Orange dargestellt sind. Die genaue Bedeutung der einzelnen Symbole wird in der Legende auf den Seiten 4 und 5 erläutert.

Der Text

Der Textteil besteht im Wesentlichen aus der Streckenbeschreibung, welche die empfohlene Hauptroute enthält. Unterbrochen wird dieser Text gegebenenfalls durch orangefarbige Absätze, die Varianten und Ausflüge behandeln. Ferner sind alle wichtigen Orte zur besseren Orientierung aus dem Text hervorgehoben.
Die Beschreibung der einzelnen Orte sowie historisch, politisch, kulturell oder naturkundlich interessanter Gegebenheiten entlang der Route tragen zu einem abgerundeten Reiseerlebnis bei. Diese Textblöcke sind kursiv gesetzt und unterscheiden sich dadurch auch optisch von der Streckenbeschreibung. Textabschnitte in Violett heben Stellen hervor, die auf Ausflugs­tipps, interessante Sehenswürdigkeiten oder Freizeitak­tivitäten etwas abseits der Route hinweisen.

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